KEEP CALM AND CURRY ON

Dem gemeinen Bochumer fließt Currysauce durch die Adern, er hat sie sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Selbst Herbert Grönemeyer, der Tausendsassa der deutschen Musikszene, trällert der Currywurst ein Ständchen: „Gehste inne Stadt, wat macht dich da satt, ´ne Currywurst“, lautet die lyrische Liebeserklärung. Vielleicht lässt sich durch die Schärfe der Sauce auch Grönemeyers charakteristischer Gesang erklären? In die erlauchten Reihen des deutschen Pop-Olymps wird natürlich nicht irgendein Würstchen eingeladen, sondern nur die „Echte“ Currywurst von Dönninghaus. 

Seit 70 Jahren stellt die Fleischerei Qualitätsprodukte her. In dritter Generation leitet Dirk Schulz die Kultwurstmanufaktur. Absoluter Star des Ensembles ist die Symbiose aus Bratwurst und Sauce, die seit 1952 in Bochum verkauft wird. Großvater Otto Dönninghaus entwickelte die Geheimrezepte, die patentrechtlich geschützt sind. Dessen Bruder eröffnete die erste reine Currywurstbude in Bochum. Auch wenn der Imbiss nicht mehr zum Unternehmen gehört, wird dort, wie in über 50 anderen „Buden“, nur die „Echte“ Currywurst verkauft.

Seitdem wurde nahezu nichts an der Rezeptur verändert. Wie es sich für den Ruhrpott gehört, handelt es sich um eine Rostbratwurst mit einer warmen rotbraunen Sauce. In Berlin würde man hingegen zu einer Wurst ohne Pelle mit Ketchup und Currypulver greifen. „Bei Dönni’s“ zu essen zählt zu den Dingen, die ein jeder Bochumer getan haben muss. Sogar Reisebusse halten hier im „Bermuda-Dreieck“, um den Touristen diese kulinarische Errungenschaft des Potts zu präsentieren. Es ist eine Art Ur-Ruhrpott-Erlebnis, das einfach dazugehört.

Nicht jede Wurst hat das Zeug dazu Chart-Stürmer, Touristenattraktion und absoluter Kult zu werden. Die „Echte“ wird täglich in handwerklicher Qualität hergestellt – aus fast 100 % Schweinefleisch von Händlern aus der Region. Zusätzlichen Geschmack liefern speziell gemischte Naturgewürze. Zudem ist „ein bisschen Rindfleisch“ enthalten, das von Kühen aus dem Sauerland stammt – „mit Personalausweis“, wie uns Schulz bescheinigt. Doch die Wurst kann weit mehr, als mit Pommes-Rot-Weiß serviert werden. Auf Anfrage eines Gastronomen wurde eine Wurst mit Scampis kreiert, auch Grillwürste mit Kräutern, Ingwer oder Käse sind je nach Saison erhältlich. Die „Echte“ mit Chili ist, aufgrund der großen Nachfrage, das ganze Jahr über im Angebot. Fleischermeister Schulz beherrscht sein Handwerk. Nicht nur, wenn es um die Wurst geht: Cuts wie Flank Steak oder Rib Eye stammen von Färsen aus der Region und auch Klassiker wie Nackensteak oder Spareribs kommen in den Sommermonaten aufs Rost.  Seinem Fleischhändler kann er blind vertrauen, schon der Großvater hat mit ihm zusammengearbeitet.

Der „Herr der Würste“ entsendet sein Heer in die ganze Welt. Neben den Imbissen, die auf die „Echte“ schwören, ist die Wurst im Stadion des VfL, in ausgewählten Rewe Supermärkten und über den Online-Shop erhältlich. Dönninghaus versorgt den Pott mit Wurst. Aber auch Sylt, Spanien, Italien, Portugal und China kriegen „wat zu kaun“, um es mit den Worten Grönemeyers zu sagen. In München hat sich der „Bergwolf“ als Institution etabliert und tischt Ruhrpott-Romantik auf: Auch im Weißwurstmekka genießt man „Currywurst-Pommes-Schanke“ – natürlich mit der „Echten“ von Dönninghaus.

Das Hoheitsgebiet der Revier-Currywurst reicht weit über den Ruhrpott hinaus. Sie ist zu einem Wahrzeichen der Bochumer Lebenskultur geworden, die wir zum Glück an vielen anderen Orten genießen dürfen.