Björn Kopplin - Es geht um die Wurst
Ein Berliner Junge, der sich ins Ruhrgebiet wagt - ganz klar, dass man so einen erst einmal an die hiesigen Lebensgewohnheiten heranführen muss. Und was wäre vor so einem biografischen Hintergrund besser geeignet als ein Currywurst-Test? Schließlich behaupten die Hauptstädter ja, Erfinder der scharfen Speise zu sein. Also, Herr Kopplin: Angetreten zum Testessen - es geht um die Wurst.
In Berlin, so die Lexikoneintrage, steht die Wiege der Currywurst. Ausgerechnet eine Dame namens Herta, Nachname: Heuwer, soll 1949 die fabelhafte Idee gehabt haben, an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und weiteren Zutaten anzubieten.
Der Laden brummte, zehn Jahre später lieB sie den Namen ihrer Sauce (Chillup) als Marke schützen. Es geht also in Geschmacksfragen nicht nur um die Wurst, sondern auch um die Sauce. "Beides ist wichtig", meinen Björn Kopplin und Frau Backhaus unisono, als unsere neue Nummer 2 mampfend in der Metzgerei Dönninghaus unterhalb des Bochumer Rathauses steht, um den Currywurst-Test zu machen. Wir setzen dem gebürtigen Berliner natürlich nicht irgendeine Wurst vor, sondern das Bochumer Premiumprodukt: "die Echte", wie sie von Kennern genannt wird.
Mein VfL - Ausgabe 4 - Saison 2010/2011 | Foto: VfL Bochum 1848
GERLANDS RATSCHLAG
"Die Echte" und Björn haben etwas gemeinsam: Beide sind seit dieser Saison im rewirpowerSTADION anzutreffen. Und beide wurden mit Vorschusslorbeeren bedacht. "Die Echte", weil sie in Bochum sozusagen fleischgewordener Kult ist, und Kopplin, weil er aus der Jugendschule des FC Bayern München stammt. Einer seiner Ausbilder: Hermann Gerland, ein Bochumer Junge. "Ein toller Trainer, gerade für junge Spieler sehr richtungsweisend", ist der Blondschopf voll des Lobes über seinen ehemaligen Coach: "Wenn man es bei ihm schafft, schafft man es ganz nach oben." Über 50 ehemalige Absolventen der Bayern-Schule tummeln sich aktuell in der 1. oder 2. Bundesliga, allein beim VfL ist neben Kopplin mit Philipp Bönig und Philipp Heerwagen ein Trio beschäftigt.
Gerlands Ratschlag an den jungen Verteidiger: "Er sagte, ich solle Gas geben und ihm keine Schande machen - es sei schließlich sein Verein!" Kopplin ist bereit, diesem Auftrag Folge zu leisten, denn er kennt nur ein Ziel: den Aufstieg. Begonnen hat für ihn alles in Berlin. Im Osten der Stadt aufgewachsen, in Köpenick, gab es keine Zweifel, dass die "Eisernen" des 1. FC Union Berlin seine sportliche Heimat werden würden. "Die Zeit war eigentlich schon erfolgreich, auch wenn wir uns des Öfteren der Hertha beugen mussten", berichtet er von den Anfangstagen.
Mit Hertha ist natürlich Berlins Renommierclub Hertha BSC gemeint, die "alte Dame". An Herta Heuwer und ihre Currywurste dachte Björn Kopplin zu jener Zeit weniger. Mit Union wurde er Berliner Jugendmeister, der Pokalsieg blieb ihm aber verwehrt. "Zweimal standen wir im Endspiel, beide Male gewann die Hertha", erzählt er. Ab und an schaute er auch bei der A-Jugend von Union zu, wo ein gewisser Roman Prokoph Tor um Tor erzielte. Schön, dass sich die beiden "Eisernen" im Bochumer Exil nun wieder begegnet sind. Der Kontakt zu Union ist überdies nie abgerissen, Björns Mutter arbeitet als Zeugwart in der "Alten Försterei".
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DÖNER ZUM TRAINING
Aus seinen Berliner Jugendtagen stammt auch die Anekdote, die mit seiner damaligen Leibspeise zu tun hat.
"lch bin mal mit einem Döner zum Training aufgelaufen. Fand der Trainer nicht so gut", lacht Kopplin und verfällt vor lauter Freude kurz ins Berliner Idiom. "Hab ick draus jelernt und dit nüsch wieder jemacht." Nicht der Currywurst, sondern dem Kebab galt also seine lukullische Hingabe. Den Unterschied zwischen der Berliner und der Ruhrgebiets-Currywurst kann er denn noch präzise benennen: "ln Berlin wird eine rote Brühwurst genommen, hier eine Bratwurst. Für mich wäre der Optimalzustand: Die Wurst aus Berlin, die Sauce aus Bochum", fällt unser Testesser sein Urteil noch in der Metzgerei Dönninghaus, der ersten Station. Er weiß noch nicht, dass wir mit ihm noch einen weiteren kulinarischen Meilenstein Bochums besuchen werden, das Bratwursthaus neben dem Union-Kino am Engelbert-Brunnen. Bevor wir aufbrechen, lässt sich Björn noch ein paar Wurstpakete einpacken, bedankt sich artig für die Gastfreundschaft und signiert flugs ein Trikot, auf dem auch schon Frank Goosen unterschrieben hat.
Apropos "Unterschrift": Wichtig war für ihn jene, die er unter den Vertrag von Bayern München setzte bzw. als Minderjähriger durch die Eltern setzen ließ. Er spielte eigentlich bei einem Sichtungslehrgang für die Jugend-Nationalmannschaft vor und überzeugte nicht nur die Auswahltrainer, sondern bekam auch ein Angebot vom deutschen Rekordmeister zu einem Probetraining. Auch dort wusste er zu überzeugen und alles ging ganz schnell. Bei den Bayern entwickelte er sich weiter, wurde gar Stammkraft der Zweitvertretung in der 3. Liga. Auch mit der Nationalmannschaft feierte er Erfolge. Seinen bis dato größten Titel errang er 2008 in Tschechien, als er mit der DFB-Elf U19-Europameister wurde. Im Finale bezwang das Team von Horst Hrubesch Italien mit 3:1, Björn Kopplin stand u.a. an der Seite der Bender-Zwillinge (Lars spielt in Leverkusen, Sven in Dortmund), von Timo Gebhardt (Stuttgart), Stefan Reinartz (Leverkusen), Marcel Risse (Mainz), Deniz Naki (St. Pauli) und Omer Toprak (Freiburg).
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MATCHWINNER KOPPLIN
Ein Jahr später hatte er mit der U20 weniger Glück, bei der Weltmeisterschaft in Ägypten scheiterte der DFB-Nachwuchs im Viertelfinale an Brasilien (1:2 n.V.). Das deutsche Tor in diesem Spiel erzielte der Ex-VfLer Lewis Holtby (jetzt Mainz), eine Runde zuvor war Björn Kopplin der Matchwinner. Nachdem er im Achtelfinale gegen Nigeria die Führung der Afrikaner egalisiert und die Vorarbeit zum 2:2 geleistet hatte, gelang ihm in der Nachspielzeit nach einem Sololauf quer über den Platz der Siegtreffer zum 3:2. Der Clou: Deutschland spielte zu jenem Zeitpunkt bereits eine halbe Stunde in Unterzahl. Entsprechend kraftlos fiel auch der Jubel aus. "Beim ersten Tor wollte ich eigentlich nur querlegen, auf Holtby, und der Ball geht rein. Das zweite Tor habe ich ähnlich vorbereitet, den Ball aber dieses Mal in den Rückraum gepasst, von wo aus Vrancic ihn reinmacht. Und beim dritten Treffer kullert der Ball wunderbar spektakulär, fast in Zeitlupe über die Linie. Ich war zwar kräftemaßig am Ende, aber die Emotionen waren unglaublich. So etwas gab es für mich seitdem nicht wieder", meint er. Noch nicht, mochte man anfügen, denn er hat ja mit dem VfL noch Großes vor.
Groß ist auch der Geschmack der zweiten Currywurst an jenem Nachmittag, wobei ihm wieder die scharfe Sauce ein wenig mehr zusagt als die Wurst. Aber auch das Bratwursthaus will, wie schon die Metzgerei Dönninghaus, die Rezeptur dafür nicht herausrücken - Zutaten und Mischungsverhältnis bleiben geheim. Kopplin reibt sich verwundert die Augen, wie viel Betrieb an Bochums Wurstbude Nummer 1 herrscht. "Bochum ist super!", konstatiert er und zählt auf, wie schnell er sich hier zurechtgefunden und eingelebt hat. Dass ausgerechnet die Küche noch auf sich warten lässt, kann er angesichts des kulinarischen Reichtums verschmerzen. Obwohl er und seine Freundin Lisa leidenschaftlich gerne kochen. Seit zwei Jahren sind sie ein Paar, kennen gelernt haben sie sich auf dem Oktoberfest. Was gefällt ihr an ihm? "Er ist so wunderbar bodenständig", sagt Lisa und verhehlt nicht, dass sie es mag, wenn Björn ihre Kochkunste schätzt. "Er ist ein leidenschaftlicher Esser", schwärmt sie, und Björn ergänzt, dass die Rahmschnitzel a lá Lisa zum Besten gehören, was er je gegessen hat. Sportlich will er sich ebenfalls baldmöglichst mit dem Besten beschäftigen, was Deutschland zu bieten hat: der 1. Bundesliga. Dort will er hin, deshalb ist er beim VfL. "Man kann sich hier als Talent sehr gut weiterentwickeln, die Mitspieler sind klasse, der Verein ist toll", sagt er mit leuchtenden Augen. Die Rückschlage nach dem Holperstart hat er ebenso abgehakt wie seine Positionsverschiebung von der rechten auf die linke Abwehrseite: "lch kann eh beides spielen." Die Formkurve zeigt seit den Siegen uber Bielefeld und Düsseldorf nach oben, das weckt zusätzlichen Ehrgeiz. "Den Trend wollen wir bestätigen, jetzt gegen Greuther Fürth." Die Mannschaft kennt er gut, weil viele Ex-Bayern-Talente in den Ronhof wechselten. "Ein sehr gutes Team", lautet sein Fazit, "Fürth wird in jedem Fall oben mitspielen. Den Aufstieg traue ich ihnen aber nicht zu, weil Hertha und Bochum einfach zu stark sind." Auch in diesem Punkt verdeutlicht er, dass es um die Wurst geht.
Portrait Björn Kopplin - Mein VfL - Ausgabe 4 - Saison 2010/2011
Presse - Quelle - Mein VfL - Ausgabe 4 - Saison 2010/2011www.vfl-bochum.de





