Echte Würste, echte Typen. Auf Pütt mitten in München
Einmalig und authentisch: Im Bergwolf in der Fraunhofer Straße riecht´s nach Ruhrpott, westfälischen Wurstspezialitäten und echter Malocheratmosphäre. Von Gina Nadine Nordmann
Der eine oder andere Arztsohn vom Starnberger See, der lässig, gutsituiert und ganz Weltmann im Cafe Roma an der Maximilianstraße seinen Espresso schlürft, mag von der stimmungsvollen, schummrigen Kneipe nichts wissen. Gemütlich verborgen liegt der rustikale Bergwolf oberhalb der U-Bahn-Station "Fraunhofer Straße". Schon die Auffahrt am Ausgang „Klenzestraße“ hebt die Stimmung beim gewieften Ruhrpottfan: abgewetzte Ballonseideträger auf der Rolltreppe, Bierdunst und laute Bahnhofskneipenmusik: Es frohlockt das Herz beim Anblick der weit offen stehenden Eingangstür zum Bergwolf, durch welche sich besagte illustre Eindrücke ergießen.
Currywurst / Pommes Schranke flirtet mit Herrengedeck. Foto: Gina Nadine Nordmann
Nach dem Bier ist vor der Currywurst
"Nach dem Bier kommt bekanntlich der Hunger", lächelt Besitzer Frank Bergmeyer und freut sich über die Massen von Menschen, die in seine Kneipe strömen. Seit der Eröffnung im August 2003 nimmt der Erfolg seines einmaligen Imbiss nicht ab. "Von Anfang an ist der Laden fantastisch gelaufen. Egal ob wochentags, am Wochenende, tags oder abends: Die Bude brennt." Sogar nachts um drei ist in einem der originellsten Restaurants Münchens jenseits der Gourmetküche noch jeder Tisch besetzt.
Prollig aber charmant – die Mischung macht´s
Das Konzept des Geschäfts ist einfach, aber außergewöhnlich. Ganz und gar untypisch für die stylische Schickeriastadt reizt der Bergwolf gerade durch sein spartanisches, bodenständiges Ambiente: nackte, schnörkellose Wände, rustikale Holztische und Sitzbänke, einfacher roter Fliesenfußboden. "Hier geht es um das Wesentliche", sagt Gast Bernd: "Gutes ehrliches Essen und angenehmes Publikum!" Er strahlt bei der Frage, was ihm am Bergwolf so gut gefällt und seine Antwort ist wohlüberlegt – schließlich hat er dafür einen Liter Bier gebraucht. "Vor zwei Hellen beantworte ich grundsätzlich keine Fragen", grinst der gebürtige Dortmunder. Der 32-jährige, der genau gegenüber vom Hoesch/Krupp-Hochofen in Dortmund-Hörde das Licht der Welt erblickte, hat in dem alternativen Ladenlokal ein Stück Heimat gefunden. Mit seinen Kumpels aus Nordrhein-Westfalen (NRW) kehrt er oft in den Bergwolf ein, wenn ihn die Sehnsucht nach "heimischer Grundehrlichkeit" übermannt. Doch auch mit Münchner Freunden kommt er gerne hierher: "In erster Linie nehme ich natürlich Bayern mit, um ihnen die hervorragende Currywurst nahe zu legen und die machen nun mal die Leute aus NRW am besten!" Hervorragend heißt: "Weiße Bratwurst in einer ausgewogen gewürzten, tomatig-scharfen Currysoße" – und kein rotes Bockwurstetwas, dass einem mit Ketchuptunke an manchen bayrischen Buden als Currywurst verkauft wird.
Je oller je doller!. Foto: Gina Nadine Nordmann
"Hömma, mach ma Curry-Pommes Schranke un´ lecker Bierchen, woll?"
Plötzlich irritiert ein unvermuteter Anblick die Szenerie: "Hömma, einmal Currywurst Pommes Schranke un´ noch nen lecker Bierchen dazu, woll?", bestellt doch glatt ein seriöser Herr im Nadelstreifen-Anzug im stilechten Ruhrpottjargon und widerlegt zu Stammgast Bernds Freude sämtliche einseitigen Klischee-Vorstellungen. "Ich finde es super, dass hier eben nicht nur Vollproleten in schäbigen Asi-Trainingsbuchsen verkehren, sondern auch Krawattenträger und Clubstyler." Menschen jeden Alters und jeglichen Niveaus machen für ihn den Bergwolf sympathisch und abwechslungsreich. "Es ist zwar nicht ganz das typische Currywurst-Flair wie in Dortmunds Frittenbuden Südstadtgrill und Pommeskiste, aber für Münchner Verhältnisse ist der Laden eine wahre Bereicherung."
Und wer wüsste nicht besser, was die Authentizität einer echten Ruhrpottwurst ausmacht, als der Besitzer Bergmeyer. "Ich komme aus Duisburg", verrät er im lokalpatriotischem Brustton der Überzeugung, "und mein Kollege Michael Wolf aus Gladbeck. Eine richtig ordentliche Currywurst haben wir hier in München schon lange vermisst und die Sache einfach selbst in die Hand genommen." Damit die Exil-Currywurst dem westfälischen Original möglichst ähnlich ist, importieren die beiden Geschäftsinhaber tatsächlich die echte "Dönninghaus-Currywurst" aus Bochum. Das Geheimrezept hütet Familie Dönninghaus seit drei Generationen liebevoll und ihre Wurst genießt Kultstatus im gesamten Ruhrgebiet. "Jeder im Pott kennt Dönni´s, Herbert Grönemeyer hat ihr sogar sein Lied "Currywurst" gewidmet", erklärt Frank Bergmeyer.
Currywurst!. Foto: Bergwolf
Selbstverständlich somit, dass in ihrem Münchner Schnellrestaurant nur die beste Qualität auf den Teller kommt – "So eine Wurst gibt´s kein zweites Mal, es sei denn wir machen sie selber", schmunzelt der Grillexperte. Das Rezept des Bergwolf geht wohl deswegen auch so gut auf, weil es eben ist wie die Currywurst selbst: ehrlich, direkt, unkompliziert und gerade deswegen so liebenswert.
Thema Heimat - Dossier des Kurses Onlinejournalismus 23 - www.journalistenakademie.de
Online - Quelle - www.journalistenakademie.de - Gina Nadine Nordmann




